2016.05.24 °pro nota°

Spielfreude und große Kunstfertigkeit

„FlexEnsemble“bietetgroßartiges„pro-nota“-KonzertimNino-Hochbau

GN Bericht vom 28.05.2016 von Monika Neumann

Ein Konzert voller Höhepunkte präsentierte das „Flex Ensemble“ am Dienstagabend im Rahmen der „pro-nota“-Kammermusikreihe. Die Auswahl der Werke war besonders, und die blitzsaubere, quicklebendige Gestaltung des Ensembles bescherte einen großartigen Konzertabend.

Mit Maurice Ravels „Sonate für Violine und Violoncello C-Dur“ begannen Kana Sugimura (Violine) und Martha Bijlsma (Violoncello) mit einem der bedeutendsten und spannendsten Werke für diese Besetzung. Geheimnisvoll flüsternd begann das Duo und ließ einen lebendigen Dialog großer Sensibilität und Ausdruckskraft aufblühen. Jede der beiden Spielerinnen demonstrierte auch ihre solistische Kunstfertigkeit in minutiös koordiniertem, springlebendigen Zusammenspieleiner meisterlichen Interpretation.

Für die folgenden Stücke ergänzten Anna Szulc-Kapala (Viola) und Endri Nini (Klavier) die beiden zur vollen Klavierquartettbesetzung: „Mes béatitudes pour piano, violon, alto et violoncelle“ (1994/95) von Gérard Pesson, einem in Paris lebenden Komponisten, zeigt, wie man aus der Beschäftigung mit der Tradition heraus – gelegentlich schimmerten sogar Zitate durch – eine neue und eigentümliche Klangwelt schaffen kann. Vogelartige rhythmische Flageoletts und einzelne spitze Töne an den Enden des Klaviers leiteten die Suite ein. Im weiteren Verlauf entspann sich ein spannendes Stück mit allen Effekten des Streicherspektrums. Ästhetisch angenehm und ständig neuschillernd wechselten die klanglichen Schwerpunkte: Klaviercluster, die in Dur-Akkorden ausklangen als Grundlage für geisterhaftes Zirpen der Streicher, schön klingende Töne, die gleich enttont wurden, zerbrachen oder verwehten und wieder aufflackerten, eine choralartige Melodie, die durch die zerbrechliche Tongebung wie durch ein milchiges Kirchenfenster geahnt wirkte. Der Pianist hatte überwiegend punktuelle Einwürfe zu spielen, die die Streichereskapaden verbanden, bis er durch marschartiges Stampfen auf die Pedale einen starken Grundschlag erzeugte, über dem die Streicher nur noch laut atmeten und in der Luft strichen. Über leises Klopfen auf den Tasten, ohne sie zu drücken, gepaart mit-Col legno-Spiel der Streicher,endete das Stück ähnlich fiepend puzzleartig, wie es begann – eine äußerst inspirierende und stimmige Komposition von großem Witz und sehr gekonnt vorgetragen.

Die spielerische Leichtigkeit der wechselnden Klangeffekte konnte nur mit völliger Kontrolle jedes Details gelingen, ohne die überzeugend musikalische Lebendigkeit des Ausdrucks zu bremsen. Chapeau!

Traditioneller gestimmte Ohren freuten sich auf die letzte Überraschung des Abends: Das Klavierquartett Nr. 1 B-Dur op. 6 von Friedrich Gernsheim, einem Pianisten, Dirigenten und sehr produktiven Komponisten der Spätromantik. Insofern konnten die Künstler nun mit vollem romantischen Klangrausch und großen Gesten ein warmes Fest der Streicherkantilenen über lebendiger Klavierbegleitung entfalten. Im zweiten Satzwurden die Rollen getauscht, wenn das Klavier unisono die Melodie über Streicherpizzicati spielte. Das Zusammenspiel der vier Musiker war harmonisch und mühelos aufeinander abgestimmt. Im polyphoneren Mittelteil traten die Streicherlinien in den Vordergrund, wobei die warmen Farben ihrer Instrumente richtig ins Leuchten kamen. Die Reprise schwang sich auf zu verdichtetem Triumph. Eine lyrische Klaviereinleitung und intensiv einander umrankende Streicherlinien mit großem Farbenreichtum und warmer Intensität des Ensembles kennzeichneten den ruhigeren dritten Satz. Bebend vor Energie und ganz im Spiel aufgehend gestalteten die vier Musiker den lebendigen letzten Satz wie ein Fest des Schwelgens mit leichter Geläufigkeit und hinreißender Intensität.

Als Zugabe präsentierte das Quartett noch den zweiten Satz des ursprünglich vorgesehenen Klavierquartetts von Gabriel Fauré mit explosionsartig zugespitztemAusdruck.

Besondere Auswahl der Werke und eine blitzsaubere Gestaltung